Knerzl

Was um alles in der Welt ist ein Knerzl?

Erzähl ich Dir gleich!

Ich habe schon in frühester Kindheit die Freude am Kochen und Essen hautnah erlebt. Ganz präsent ist in meinen Erinnerungen vor allem meine Großmutter, die mit so viel Leidenschaft und Hingabe in der Küche stand, wie ich es selten gesehen habe. Niemals habe ich sie mit einem Kochbuch in der Hand oder ein Rezept nachlesen sehen, schon früh morgens stand schon irgendein Topf auf dem Herd und es wehte immer ein herrlicher Geruch durch ihre Wohnung. Ich habe es geliebt, ihr dabei über die Schulter zu sehen, mit Begeisterung Knödel geformt, Sauerbraten eingelegt, Saucen gerührt und den Kuchenteig mit dem Finger aus der Schüssel genascht.

Noch länger als mich gibt es den Garten meiner Großeltern, in dem traditionell alles angebaut wird, was man so brauchen kann. Und so war es auch immer selbstverständlich, Gemüse und Obst saisonal zu essen und es zu lagern oder für andere Jahreszeiten einzukochen. Mein Großvater hält diese Tradition heute noch aufrecht und wir „süchteln“ alle zusammen erst nach Salat, Erdbeeren, Tomaten, Äpfeln, Kartoffeln … und allem, was der Boden sonst noch hergibt.

Ein guter Freund meiner Vaters stammt aus Italien, und was bei Besuchen dort alles in den Töpfen gezaubert wurde, war gleichzeitig so völlig anders und dennoch so unfassbar köstlich, dass ich noch im Grundschulalter versucht habe, die italienischen Rezepte und Kochbücher zu entziffern. Erfolglos natürlich. Und auch an diesem Herd wurde so leidenschaftlich und mit Genuss gekocht, dass für mich auch diese Küche ein wundervoller Wohlfühlort wurde und sich ein ganz neues Geschmackserlebnis für mich aufgetan hat.

So lange ich bei meinen Eltern gewohnt habe, habe ich wenig selbst gekocht. Das liegt ganz sicher auch daran, dass meine Mutter (wie soll es anders sein) eine ganz hervorragende Köchin ist. Neben Klassikern aus den Familienrezepten hat sie vieles aus der italienischen Küche übernommen und ist bis heute sehr experimentierfreudig, was neue Rezepte und Geschmacksrichtungen angeht. Sie liebt es bis heute, die Familie zu bekochen und wir sagen in der Regel nicht nein, wenn wir zum Essen eingeladen werden.

Nicht jeder, der gerne isst, kocht auch gerne oder gut. Das beste Beispiel dafür ist mein Vater. Er hat mir den Genuss und die Lust an gutem Essen vererbt. Alles, was ich als Kind nicht kannte, hat er mich zu versuchen ermuntert, um mir ein Urteil bilden zu können, ob es wirklich schmeckt oder eben nicht. In den meisten Fällen hat es geschmeckt – nur bei Spargel und Rosenkohl lehne ich bis heute dankend ab.

Und jetzt zum Knerzl. Das ist das Endstück vom Brot (anderswo heißen die Dinger z.B. Knust). Und ich liebe diese knusprigen Dinger! Wenn die Familie zusammen isst und es gibt Brot, geht es zu wie beim Start eines Autorennens, wer als erster die Knerzl aus dem Brotkorb fischt. Alle drei Generationen grabschen hektisch nach den besten Stücken!

Und was hat das nun mit diesem Blog zu tun?

Die Bloggerwelt ist voll von Foodblogs. Viele engagierte Menschen, tolle Rezepte, schöne Fotos – aber auch jede Menge schon besetzter Blognamen. Ganz einfache, schräge, sehr komplizierte – alles dabei. Meine Lieblingsrezepte sind „einfach“ gestrickt. Ich mag Klassiker in der traditionellen und in modernen Varianten, aber auch „neue“ Rezepte und Ideen. Nur zu kompliziert dürfen sie nicht sein. Wie die Knerzl.

Mein Lieblingsbeispiel dafür sind die Kaffirlimettenblätter. Ich habe vor bestimmt 10 Jahren im Fernsehen einen Koch ein Gericht kochen sehen, das ich unbedingt nachkochen wollte. Nach der Sendung alle Zutaten aus dem Videotext abgeschrieben und bei dieser Zutat erstmal laut „Hä?“ gemacht. Ging den Leuten auf dem Markt und auch in den Läden sehr ähnlich und so wurde das Rezept ohne diese spezielle Zutat gekocht. Ich weiß bis heute nicht, ob es mit den Kaffirlimettenblättern  besser geschmeckt hätte, hege aber nach wie vor Zweifel, dass die da noch irgendwas „gerissen“ hätten. Meine Devise ist: kein allzu großer Schnickschnack, alle Zutaten sollen ohne große Bestellorgie zu beschaffen sein. Auch in Zeiten der Onlineshops- wo man heutzutage weitaus exotischere Sachen bekommt als … Kaffirlimettenblätter.

Mit der Region, in der ich lebe, bin ich sehr verbunden. Ich bin hier geboren, aufgewachsen und nach etwas über dreißig Jahren immernoch gerne hier. Natürlich gehe ich auch gerne weg, andere Städte, andere Länder .. weil anderswo gibt es ja auch jede Menge gutes Essen. Aber ich komme immer wieder gerne hierher zurück. Diese Wurzeln werde ich wahrscheinlich auch nicht mehr los. Macht aber auch nix. Wir haben tolle Märkte, Bauern und Geschäfte, die gute Qualität anbieten. Es ist nicht weit in den Odenwald, in die Pfalz oder in den Schwarzwald. Rucksack ist man in den Alpen, und in Frankreich ist man auch schneller, als ein Fußballspiel dauert – nur bis ans Meer ist es tatsächlich leider sehr weit.

Und falls Ihr bislang nicht so drauf geachtet habt beim Brotbacken oder beim Bäcker: Esst zuerst das Knerzl, wenn es noch möglichst frisch und warm ist. Idealerweise mit einem schönen Stück luftigem Teig in der Mitte. Natürlich kann man da auch prima Butter draufschmieren oder Wurst, es dippen oder rösten. Aber am allerbesten schmeckt es pur, ohne nix.

Lasst es Euch schmecken, das Leben!

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